Blog : Weises, Spirituelles

ZENtat (11)

10.11.2023

Zen ist nichts Besonderes, Zen ist sehr einfach. Es hat kein Ziel.

Ein Zen-Schüler geht zu einem Zen-Meister, um endlich das Geheimnis des ZEN zu erfahren. Er trägt dem Meister, der ruhig in der Zazen-Haltung auf dem Boden sitzt, sein Anliegen vor und bittet diesen um Unterweisung. Der Meister hört ihm zu und weist ihn an, sich ebenfalls in der Zazen-Haltung neben ihn zu setzen. Nachdem der Schüler einige Minuten ruhig sitzend neben dem Meister wartet, fängt er an unruhig zu werden. Schliesslich schaut er den Meister fragend an, worauf dieser sich zu ihm umdreht und sagt: «Nichts wird mehr passieren. Das ist alles.»


ZENtat (10)

20.10.2023

Das teuflische Stückchen Wahrheit 

Ein Engel und ein Teufel wandern für die Menschen unsichtbar auf Erden. Da kommt ihnen ein Mensch entgegen.

Der Engel nimmt wahr, wie der Teufel vor einem Menschen etwas fallen lässt. Dieser Mensch bückt sich, nimmt mit sichtbar größter Freude das Ding an sich und geht überglücklich damit weiter.

„Was hast Du diesem Menschen gerade zukommen lassen?“, fragt der Engel.

„Ein winziges Stückchen Wahrheit“, erwidert der Teufel.

„Wie? Höre ich recht? Du, ein Teufel, schenkst diesem Menschen Wahrheit? Dein Job ist doch, die Menschen in Richtung Hölle und Verdammnis zu locken!“

„Das tat ich eben: Ich habe diesem Menschlein ein winziges Stück Wahrheit finden lassen, ihn aber glauben gemacht, dass dieses winzige Stück die ganze Wahrheit sei!“

Gefunden bei: rohanda.de 


ZENtat (9)

19.08.2023

Das Glück verstecken

Drei Götter überdachten, was sie den Menschen auf ihrem Weg durchs Leben mitgeben könnten. Sie beschlossen, ihnen das Glück zu schenken, aber doch so, dass die Menschen es selbst erwerben sollten. Sie sagten:

«Wir wollen das Glück so verstecken, dass es mit einer Herausforderung durch die Suche verbunden wird. Dies wird seinen Wert deutlich machen.»

Wo aber sollten sie das Glück verstecken?

Der Erste schlug vor, dafür einen Gletscher auf dem höchsten Berg zu wählen. Der Zweite meinte, dass dies zu leicht sei und wollte es in einer Muschel auf dem Grund des Ozeans verbergen. Der Dritte aber sagte: «Lasst es uns im Menschen selbst verbergen!»

Diese Geschichte basiert auf einer alten Hindu-Legende

aus: André Daiyû Steiner - Happiness im Business


Zentat (8)

03.11.2022

Ein Meister und sein Schüler wanderten durch die Wüste, und der Meister lehrte ihn, dass sie immer auf Gott vertrauen könnten, denn Er werde sich um alles kümmern. Als die Nacht hereinbrach, schlugen sie ein Lager auf. Der Meister baute das Zelt auf, und der Schüler sollte die Pferde an einem Felsen festbinden. Doch als er beim Felsen ankam, dachte er sich:

"Der Meister will mich auf die Probe stellen. Er sagt, Gott würde sich um alles kümmern, und nun bittet er mich, die Pferde festzubinden. Er will sehen, ob ich Gott vertraue oder nicht."

Und anstatt die Tiere festzubinden, sprach er ein langes Gebet und übertrug Gott die Wache.

Als sie am nächsten Tag aufwachten, waren die Pferde verschwunden. Enttäuscht beklagte sich der Schüler beim Meister und sagte ihm, er vertraue Gott nicht mehr, denn der kümmere sich nicht um alles, er hätte vergessen, auf die Pferde aufzupassen.

"Du irrst", antwortete der Meister. "Gott hätte sich gern um die Pferde gekümmert, aber er brauchte in diesem Augenblick deine Hände, um sie festzubinden."

aus: Paulo Coelho - Schutzengel


ZENtat (7)

23.10.2020

Die dünnen Fesseln der Gewohnheit

Einem Dompteur gelingt es, einen Elefanten mit einem ganz einfachen Trick zu beherrschen: Er bindet das Elefantenkind mit einem Fuss an einen grossen Baumstamm. So sehr es sich auch wehrt, es kann sich nicht befreien. Ganz allmählich gewöhnt es sich daran, dass der Baumstamm stärker ist als es selbst. Wenn der Elefant erwachsen ist und ungeheure Kräfte besitzt, braucht man nur eine Schnur an seinem Bein zu befestigen und ihn an einen Zweig anzubinden, und er wird nicht versuchen, sich zu befreien. Denn er erinnert sich daran, dass er diesen Versuch unzählige Male vergebens unternommen hat. Wie bei den Elefanten stecken auch unsere Füsse nur in einer dünnen Schlinge. Doch da wir von Kindesbeinen an die Macht jenes Baumstammes gewohnt sind, wagen wir nicht, uns zu wehren. Und wir vergessen darüber, dass es nur einer einfachen mutigen Tat bedarf, um unsere Freiheit zu erlangen.  

Paulo Coelho

aus: Patric Pedrazzoli - Seelenzucker


ZENtat (6)

08.09.2017

Seien sie entscheidungsfreudig

Ein Mann wollte einmal auf eine Insel fahren, die unweit vom Hafen lag. Er ging zum Dock und stellte fest, dass zwei Boote, die direkt nebeneinander festgemacht waren, beide um dieselbe Zeit zur Insel fuhren, aber auf verschiedenen Routen. Da er sich nicht sicher war, welche Route die bessere war, stellte er einen Fuss in jedes Boot und versuchte, sich zu einer Entscheidung durchzuringen. Als die Boote ablegten, hatte er sich immer noch nicht entschieden, und er konnte sich auch nicht entscheiden, als sich der Weg der Boote trennte. Da er weder dem einen noch dem anderen Boot vertraute, kam er nicht auf der Insel an – er wurde nur sehr nass.

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern


ZENtat (5)

26.09.2016

Ein Zen-Meister fragte seinen Schüler: „Wo ist dein Geist?“

Der Schüler erwiderte: „Wenn ich meine Gedanken wahrnehme, scheint es mir, als würde jemand im Innern meines Kopfes sprechen. Mein Geist muss also in meinem Kopf sein.“

Der Meister winkte den Schüler zu sich heran. Als der Schüler direkt vor ihm stand, liess der Meister seine Faust auf den grossen Zeh des Schülers niederfahren und sagte: „Wo ist dein Geist jetzt?“

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern


ZENtat (4)

21.11.2015

Ein Musiker ging zu Buddha, um sich bei ihm in Meditation unterweisen zu lassen. Er fragte: „Wie soll ich meinen Geist halten, wenn ich übe? Soll ich versuchen, mich mit aller Macht zu konzentrieren und ihn streng unter Kontrolle zu halten, oder soll ich mich entspannen und ihn nach Belieben umherschweifen lassen?“

Buddha antwortete dem Musiker mit einer Gegenfrage. „Wenn du dein Instrument stimmst, spannst du dann die Saiten zu fest oder zu locker?“

Der Musiker antwortete. „ Weder noch, sondern genau richtig.“

Buddha sagte: „So wie du die Saiten deines Instruments stimmst, solltest du auch deinen Geist in der Meditation halten: Nicht zu fest und nicht zu Locker, sondern genau richtig.“

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern


ZENtat (3)

12.03.2015

Vor vielen Jahren arbeitete ein Künstler in Japan an einem Tuschebild, das ein Kunde bei ihm bestellt hatte. Ein Zen-Meister, der als Experte auf diesem Gebiet galt, besuchte gerade die Gegend, und so lud ihn der Künstler begeistert ein, ihm bei der Arbeit zuzusehen.

Als er den Zen-Meister nach seiner Meinung über das Bild fragte, antwortete dieser: „Wenn ich aufrichtig sein soll, finde ich es ziemlich mittelmässig.“ Der Künstler nahm ein weiteres Blatt Papier zur Hand und führte den Pinsel noch sorgfältiger. „Was halten Sie von diesem hier?“, fragte er.  „Es tut mir leid, aber es ist nicht einmal so gut wie das erste.“ Wieder und wieder versuchte der Künstler, es besser zu machen, und verwandte immer grössere Sorgfalt auf die Pinselführung. Zu seiner Bestürzung wurden die Kommentare des Meisters immer entmutigender.

Schliesslich sagte der Meister: „Entschuldigen Sie mich, ich brauche ein wenig frische Luft, bevor wir weitermachen.“ Als er hinausgegangen war, war der Künstler froh, endlich ohne das Gefühl der Befangenheit malen zu können, das ihn überkommen hatte, als der Meister ihm über die Schulter blickte. Ohne zu überlegen, ging er sofort ans Werk, um das nächste Bild fertig zu haben, bevor der Meister wiederkam.

Als er den letzten Pinselstrich gemacht hatte, kam der Zen-Meister zur Tür herein und sagte: „Vollendet.“ 

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern


ZENtat (2)

30.12.2014

Ein junger Mann hatte alle Bücher über Zen gelesen, die er finden konnte. Er hörte von einem grossen Zen-Meister und bat ihn um ein Gespräch, um sich von ihm unterweisen zu lassen. Nachdem sie sich gesetzt hatten, begann der junge Mann, dem Meister all das vorzutragen, was er aufgrund seiner Lektüre verstanden hatte, und sagte, beim Zen gehe es um dies und jenes, und so redete er immer weiter.

Nach geraumer Zeit schlug ihm der Meister vor, Tee zu trinken. Er führte die traditionelle Teezeremonie durch, während der Schüler sie aufmerksam verfolgte und sich stumm verneigte, als er bedient wurde. Der Meister begann, Tee in den Becher seines Schülers zu giessen. Er goss Tee hinein, bis der Becher voll war, und goss immer weiter. Der Tee floss über den Rand des Bechers auf den Tisch. Der Meister goss weiter, während der Tee vom Tisch hinunter auf den Fussboden lief. Schliesslich konnte der Schüler nicht länger an sich halten. Er rief: „Stopp! Hören sie auf zu giessen! Der Becher ist voll – es passt nichts mehr hinein.“

Da hielt der Meister inne und erwiderte: „Genau wie dieser Becher ist ihr Geist angefüllt von ihren eigenen Ansichten und Vorurteilen. Wie können sie etwas lernen, solange sie ihren Becher nicht leer machen?“

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern


ZENtat (1)

22.10.2014

Ein junger Mann besass eine Figur aus Ton, die er von seiner Familie geerbt hatte. Er hatte sich immer gewünscht, dass sie aus hellem, leuchtendem Gold statt aus einfachem, braunem Ton sein sollte. Als er begann, Geld zu verdienen, fing er an, ab und zu etwas beiseite zu legen, bis er genug für sein besonderes Vorhaben zusammengespart hatte und die Figur vergolden lassen konnte.

Jetzt sah sie genauso aus, wie er es sich immer gewünscht hatte, und die Leute bewunderten sie. Er war sehr stolz darauf, eine goldene Figur zu besitzen. Doch die Vergoldung haftete nicht sonderlich gut am Ton, und es dauerte nicht lange, da blätterte das Gold an einigen Stellen ab. Also liess er sie noch einmal vergolden. Bald stellte er fest, dass er all seine Zeit und Mittel darauf verwendete, die goldene Fassade der Figur zu erhalten.

Eines Tages kehrte sein Grossvater von einer mehrjährigen Reise zurück. Der junge Mann wollte ihm die Tonfigur zeigen, die er in eine goldene verwandelt hatte. Doch es war ihm ein wenig peinlich, dass der Ton an vielen Stellen hervorkam.

Der alte Mann lächelte und hielt die Figur liebevoll in seinen Händen. Mit einem feuchten Tuch rieb er sie vorsichtig ab, bis sich an einigen Stellen der Ton allmählich etwas löste. „Vor vielen Jahren ist die Figur in den Schlamm gefallen. Sie war ganz von Schlamm bedeckt. Als kleines Kind hast du den Unterschied nicht verstanden. Du hast den Vorfall vergessen und dachtest, es handele sich nur um eine Tonfigur. Doch schau her.“

Er zeigte seinem Enkel die Stelle, an der er den Ton abgerieben hatte. Ein goldener Fleck leuchtete hervor. „Unter der Schlammschicht war deine Figur von jeher aus reinem Gold. Du hättest sie nicht vergolden und die Schlammschicht zudecken lassen müssen. Jetzt, wo du weisst, woraus sie in Wirklichkeit besteht, musst du nichts weiter tun, als den Schlamm zu entfernen, und die goldene Figur, die du die ganze Zeit besessen hast, wird sich dir enthüllen.“

aus: Joseph Parent - Zen-Golf - Das mentale Spiel meistern